Kontemplation in Aktion

Christen auf dem Weg des Jesusgebetes

Gespräche zur Praxis des Jesusgebets

 

Wir wenden uns in der Gebetszeit ganz einfach dem Namen Jesus Christus zu. Wir sprechen Jesus" mit jedem Ausatmen und Christus" mit jedem Einatmen. Wir schmücken den Namen nicht mit Vorstellungen, Bildern, oder Erinnerungen aus, wir verbinden ihn auch nicht mit Bitten oder weiteren Worten und Gebeten, sondern bleiben bei der schlichten Wiederholung des einfachen Namens. Mit dem Namen wenden wir uns an Jesus Christus selbst, an seine Person, in Form eines liebevollen, unmittelbaren, einfachen, bildlosen Aufmerkens und Kontaktnehmens zu ihm hin. Der Name "Jesus Christus" kann eine gewisse Andacht schenken, er muss aber auch durch trockene Phasen hindurch geläutert werden, oder vielmehr: uns selber läutern. Wenn Ihnen der Name "Christus" mit dem Einatmen noch zuviel ist, können sie nach wie vor einfach bei "Jesus" mit jedem Ausatmen bleiben. Wenn sie darin mehr Praxis und Übung haben, kann dann mit der Zeit "Christus" noch beim Einatmen dazukommen. Im Folgenden nun einige Beispiele aus der konkreten Übungspraxis mit dem Jesusgebet (aus: Franz Jalics SJ, Kontemplative Exerzitien, echter). 

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NELLI

Nelli: Wir sind am Ende der Exerzitien angelangt. Mir hat sich eine neue Welt aufgetan. Bis jetzt habe ich Orientierung gesucht, und jetzt habe ich sie gefunden. Ich habe meinen Weg gefunden. Deswegen bin ich sehr zufrieden. Ich fühle mich aber ganz am Anfang des Weges. Das trübt meine Zufriedenheit, und ich spüre eine gewisse Entmutigung. Eine unabsehbar lange Wegstrecke liegt vor mir, die sich ins Endlose verliert und mich bedrückt. Wann werde ich diesen Weg hinter mir haben?

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LORENZ

Lorenz: Ich habe den Eindruck, dass ich an der Oberflche bleibe. Es treten viele Zerstreuungen aus dem Alltag auf. Einmal kommt mir ein Streitgespräch, das ich vor zwei Wochen gehabt habe, dann erinnere ich mich an unerledigte Aufgaben. Plötzlich steht mir ein Bild meiner Arbeit vor Augen, eine Szene von einem Verkehrsstau oder einem Vorhaben, das ich nie ausführen konnte, dann das Bild eines Freundes, den ich gerne sehen würde, oder das eines Nachbarn, der mich nervt.

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FRITZ

Fritz: Ich beschäftige mich in der Meditation viel mit meiner Arbeit und meiner Zukunft. Ich komme zwar gleich zurück, aber kurz darauf bin ich wieder in Gedanken bei meinen Tätigkeiten.

EM: Du hängst sehr an deiner Arbeit.

Fritz: Es ist mir sehr wichtig, wie es mit meiner Arbeit weitergeht.

EM: Wichtiger als Gott.

Fritz: Ich empfinde es nicht so. Gott ist mir wichtiger. Ich bin seinetwegen in Exerzitien gekommen.

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BENEDIKT

Benedikt: Mir ist etwas aufgegangen. Ich war wie üblich in der Meditation, und auf einmal spürte ich mehr die Gegenwart und dass ich da bin. Ich spürte es auf eine sehr intensive Weise, wie ich es vorher noch nicht empfunden hatte. Ich kann es nicht beschreiben. Ich bemerkte, dass ich ganz da bin. Ich erfuhr das Jetzt, diesen einzigen Augenblick, in dem ich bin.

Ich kann es nicht erklären. Es ist mir bewusster geworden, was Realität ist. Ich wurde lange in diesem Zustand gehalten. Ja, ich sage, dass ich in diesem Zustand gehalten wurde, weil ich ihn wirklich nicht hervorrufen oder auch nur hätte halten können.

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ALOIS

Alois: Ich habe versucht, Jesus mit dem Ausatmen und Christus mit dem Einatmen zu sagen. Ich komme damit nicht zurecht und fühle mich überfordert, mit jedem Atemzug den Namen zu sprechen. Ich komme mit dem Atem ganz durcheinander. Manchmal wird er schneller, und dann spreche ich wieder, da ich ihn lenken möchte. Auch der Name ist mir zu lang, weil mein Atmen eher kurz ist. Ich komme innerlich in Hektik. Also bei mir geht das nicht. Ich habe dann damit aufgehört.

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